DO 2. Nov

19:00

abseits – mensch. natur. neue fotoarbeiten von erich hörtnagl

Opening

© Erich Hörtnagl

D     Die Fotografie ist eigentlich eine Illusion. Man glaubt, alles zu sehen, was sich vor der Kamera abspielt – und doch findet da noch etwas anderes statt. Eine Art Geheimnis, das die Fotografie dadurch, dass sie auch ein diskretes künstlerisches Medium ist, in sich birgt.

In meinen Fotoarbeiten taste ich mich vom Bekannten zum Unbekannten vor, immer wieder von vorne …

Dabei verspüre ich mitunter Landschaften, die ich in deren Abwesenheit mit mir trage. Orte, die in der Erinnerung weiterleben, wenn sie aus meiner sinnlich erfahrenen Wirklichkeit verschwunden sind. Orte, in die wir uns oft dann zurückziehen, wenn wir räumlich und zeitlich weit von ihnen entfernt sind. Landschaften, die wir dann unsere eigenen, inneren nennen.

Einsamkeit bedeutet nicht immer bedauernswertes Alleinsein. Sie kann auch eine – wenn auch egoistische – Schutzmaßnahme sein, die es ermöglicht, der öffentlichen Welt zu entfliehen, um sich in der Sicherheit der Behausung, in der Isolation, für einen Moment deren Zugriff und Begehren zu entziehen.

Die Natur meiner eigenen Stimmungen – zunächst mir verborgen – erfährt in der Auseinandersetzung mit meiner Arbeit eine Wahrnehmung. Eine Balance zwischen intimen Momenten von Nähe und Distanz, Tiefe und Oberfläche. Das Suchen nach Intimität und die Fähigkeit, diese ertragen zu können, führen zu unverhofften Begegnungen.

Der handwerkliche Eingriff von reduziert gestischer Malerei und abstrakter, grafischer Linie führt in meinen Bildern aus der Gegenständlichkeit der fotographischen Darstellung weg und leitet eine Transformation des Motivs ein, bis hin zu dessen Auflösung. Ein Prozess, der meine Neugierde nicht nur als Gedankenspiel weckt, sondern auch meine Lust am Experiment beim Zusammenspiel der verschiedenen Techniken und Genres anregt.

Räumliche und bisweilen zeitliche Ebenen verschieben sich, ändern Bedeutung, Kontext und Botschaft. Eine fotographisch dargestellte Landschaft verliert durch den „wesensfremden Eingriff“ seine Beschaulichkeit und mutiert zur Reflexion, z. B. über Vergänglichkeit.

Dieser Verwandlungsakt – inhaltlich wie formal – entsteht aus der Symbiose der drei Genres Malerei, Photographie und Grafik und ist Gegenstand meiner bildnerischen Arbeit, der vorliegenden, neuen Fotoarbeiten.

Erich Hörtnagl


E   Photography in fact is an illusion. You believe you see everything that happens in front of the camera, and yet there is something else going on as well. A sort of secret that photography harbours thanks to the fact that it is also a discrete artistic medium.

In my photographic works I grope my way from the known to the unknown, over and over …

In the process, I sometimes sense landscapes that I carry within myself in their absence. Places that live on in memory when they are gone from the reality I take in with my senses. Places that we often retreat to when we are far removed from them in space and time. Landscapes that we then call our own, our inner landscapes.

Loneliness not always means pitiable solitude. It can also be a precautionary measure, albeit an egotistical one, that enables us to flee the public world, in order to withdraw ourselves for a moment, in the safety of a dwelling, in isolation, from its grasp. 

The nature of my own moods, at first hidden from me, in the course of the confrontation with my work is given appreciation. A balance between intimate moments of closeness and distance, depth and surface. The searching for intimacy, and the ability to bear it, lead to unexpected encounters.

The artisanal intervention of reduced gestural painting and abstract, graphical line in my pictures leads the observer away from the representationalism of photographic depiction and triggers a transformation of the subject, culminating in its dissolution. A process that rouses my curiosity not just as an intellectual game, but also my pleasure in the experiment during the interplay of the various techniques and genres.

Spatial and at times also temporal planes start to shift, change meaning, context and message. A photographically depicted landscape through the “alien intervention” loses its peacefulness and mutates into reflection, e.g., about the fleetingness of things.

This act of transformation, in relation to both content and form, evolves from the symbiosis of the three genres of painting, photography and graphics and is the subject of my work as an artist, of the new photographic works at hand.